An anthology of German literature · Calvin Thomas
Chapter 5
Chapter 25 of 52 · 14 min read
From the original Faustbook of 1587: Faust’s compact with the Devil.
Abendts oder vmb Vesperzeit, zwischen drey vnd vier Vhren, erschien der fliegende Geist dem Fausto wider, der erbotte sich jhm in allem Vnterthänig vnd gehorsam zu seyn, dieweil jm von seinem Obersten Gewalt gegeben war, vnnd sagt zu D. Fausto: Die Antwort bring ich dir, vnnd Antwort mustu mir geben. Doch wil ich zu vor hören, was dein Beger sey, dieweil du mir aufferleget hast, auff diese Zeit zu erscheinen. Dem gab D. Faustus Antwort, jedoch zweiffelhafftig vnd seiner Seelen schädlich, denn sein Datum stunde anders nit, dann dass er kein Mensch möchte seyn, sondern ein Leibhafftiger Teuffel, oder ein Glied darvon, vnd begert vom Geist wie folgt:
Erstlich, dass er auch ein Geschickligkeit, Form vnnd Gestalt eines Geistes möchte an sich haben vnd bekommen.
Zum andern, dass der Geist alles das thun solte, was er begert, vnd von jhm haben wolt.
Zum dritten, dass er jm gefliessen, vnterthänig vnd gehorsam seyn wolte, als ein Diener.
Zum vierdten, dass er sich allezeit, so offt er jn forderte vnd beruffte, in seinem Hauss solte finden lassen.
Zum fünfften, dass er in seinem Hause wölle vnsichtbar regiern, vnd sich sonsten von niemandt, als von jm sehen lassen, es were denn sein Will vnd Geheiss.
Vnd letzlich, dass er jhm, so offt er jhn forderte, vnnd in der Gestalt, wie er jhm aufferlegen wurde, erscheinen solt.
Auff diese sechs Puncten antwort der Geist dem Fausto, dass er jhm in allem wolt willfahren vnd gehorsamen, so ferrn dass er jm dagegen auch etlich fürgehaltene Artickel wölle leisten, vnd wo er solches thue, sol es weiter kein noht haben, vnd seind diss darunter dess Geistes etliche Artickel gewesen:
Erstlich, dass er, Faustus, verspreche vnd schwere, dass er sein, dess Geistes, eygen seyn wolte.
Zum andern, dass er solches zu mehrer Bekräfftigung, mit seinem eygen Blut wölle bezeugen, und sich darmit also gegen jm verschreiben.
Zum dritten, dass er allen Christgläubigen Menschen wölle feind seyn.
Zum vierdten, dass er den Christlichen Glauben wölle verläugnen.
Zum fünfften, dass er sich nicht wölle verführen lassen, so jhne etliche wöllen bekehren.
Hingegen wölle der Geist jhme, Fausto, etliche Jahr zum Ziel setzen, wann solche verloffen, soll er von jhme geholt werden, Vnd so er solche Puncten halten würde, soll er alles das haben, was sein Hertz belüste vnd begerte, vnnd soll er alsbaldt spüren, dass er eines Geistes gestallt vnnd weise haben würde. D. Faustus war in seinem Stoltz vnnd Hochmut so verwegen, ob er sich gleich ein weil besunne, dass er doch seiner Seelen Seligkeit nicht bedencken wolte, sondern dem bösen Geist solches darschluge, vnnd alle Artickel zuhalten verhiesse. Er meynet der Teuffel wer nit so schwartz, als man jhn mahlet, noch die Hell so heiss, wie mann davon sagte.
[Notes: 19: Sein Datum stunde (stand), ‘his purpose was.’ 20: Gefliessen, ‘assiduous.’]
+XLVII. JOHANN FISCHART+
1550-1590. Fischart was an Alsatian humorist of satiric bent, great learning, and little originality. His prose—especially in Gargantua, his most important work, which is an amplified and Germanized version of the first book of Rabelais—is hard to read on account of its recondite allusions, far-fetched puns, and generally eccentric diction. As a poet he is at his best in the Lucky Boat of Zürich, a narrative poem which describes, with much patriotic warmth, the notable feat of a Swiss boat-crew in rowing from Zürich to Strassburg in a single day (June 21, 1576) to attend a Schützenfest. The selection follows Kürschner’s Nationalliteratur, Vol. 18, page 141.
From the ‘Lucky Boat of Zürich,’ lines 259-366.
Da frewten sich die Reysgeferten, Als sie den Rein da rauschen hörten, 260 Vnd wünschten auff ein newes Glück, Das Glücklich sie der Rein fortschick, Vnd grüssten jhn da mit Trommeten: “Nun han wir deiner hilff von nöten, O Rein, mit deynem hellen fluss 265 Dien du vns nun zur fürdernuss; Las vns geniesen deyner Gunst, Dieweil du doch entspringst bey vns Am Vogelberg bey den Luchtmannen, Im Rheintzierland, von alten anen, 270 Vnd wir dein Thal, dadurch du rinnst, Mit bawfeld zirn, dem schönsten dienst. Schalt diss Wagschiflein nach begeren, Wir wöllen dir es doch verehren. Leyt es gen Strassburg, deine zird, 275 Darfür du gern lauffst mit begird, Weyl es dein strom ziert vnd ergetzt, Gleich wie ein Gstein im Ring versetzt.” Der Rein mocht dis kaum hören auss, Da wund er vmb das schiff sich kraus, 280 Macht vmb die Růder ein weit Rad, Vnd schlůg mit freuden anss gestad, Vnd liess ein rauschen Stimm da hören, Drauss man mocht dise wort erklären: “Frisch dran, jr liebe Eydgenossen,” 285 Sprach er, “frisch dran, seit vnuerdrossen; Also folgt eweren Vorfaren, Die diss thaten vor hundert jaren. Also můss man hie Rhům erjagen, Wann man den Alten will nachschlagen. 290 Von ewerer Vorfaren wegen Seit jr mir wilkumm hier zugegen. Jr sůcht die alt Gerechtigkeit, Die ewer Alten han bereit; Dieselbig will ich euch gern gonnen, 295 Wie es die Alten han gewonnen. Ich weiss, ich werd noch offtmals sehen Solchs von ewern nachkommen gschehen. So erhält man nachbarschafft, Dann je der Schweitzer eygenschafft 300 Ist Nachbaurliche freuntlichkeit Vnd inn der Not standhafftigkeit. Ich hab vil ehrlich leut vnd Schützen, Die auf mich inn Schiff thäten sitzen, Geleit gen Strassburg auff das schiessen, 305 Dafür mit freuden ich thu flisen; Aber keyne hab ich geleit Noch heut des tags mit solcher freud. Fahr fort, fahr fort, lasst euch nichts schrecken, Vnd thůt die lenden daran strecken. 310 Die Arbeit trägt darvon den Sig, Vnd macht, das man hoch daher flig Mit Fama, die Růmgöttin herlich, Dan was gschicht schwärlich, das würd ehrlich. Mit solchen leuten solt man schiffen 315 Durch die Mörwirbeln vnd Mördifen, Mit solchen forcht man kein Meerwunder Und kein wetter, wie sehr es tunder; Mit solchen dörfft man sich vermessen, Das einen fremde fisch nicht fressen, 320 Dann dise alles vberstreitten Durch jr vnuerdrossen arbeyten. Mit disen Knaben solte einer Werden des Jasons Schiffartgmeyner Inn die Jnsul zum Gulden Wjder, 325 Da wüsst er, das er käm herwider. Weren dise am Meer gesessen, So lang wer vnersůcht nicht gwesen America, die newe Welt, Dan jr Lobgir het dahin gstellt. 330 Lasst euch nicht hindern an dem thun, Das auff die haut euch sticht die Sunn, Sie will euch manen nur dadurch, Das jr schneid dapfer durch die furch, Dann sie seh gern, das jr die gschicht 335 Vollbrächten bey jrm Schein vnd liecht, Damit sie auch Rhům davon drag, Gleich wie ich mich des Rümen mag. Die Blatern, die sie euch nun brennt, Vnd die jr schaffet inn der hend, 340 Werden euch dienen noch zu Rhům, Wie zwischen Tornen eyne plům. Jr dörft euch nicht nach wind vmbsehen, Jr seht, der windt will euch nachwähen; Gleych wie euch nun diss wetter libt, 345 Also binn ich auch vnbetrübt. Jr sehet je mein wasser klar Gleich wie ein Spiegel offenbar. So lang man würd den Rein abfaren, Würd keyner ewer lob nicht sparen, 350 Sonder wünschen, das sein Schiff lieff Wie von Zürch das Glückhaffte Schiff. Wolan, frisch dran, jr habt mein gleyt Vmb ewer standhafft frewdigkeyt. Die strass auff Strassburg sei euch offen, 355 Jr werd erlangen, was jr hoffen; Was jr euch heut frü namen vor, Das würd den abent euch noch wor, Heut werd jr die Statt Strassburg sehen, So war ich selbs herzů werd nähen. 360 Heut werd jr als wolkommen gäst Zů Strassburg noch ankommen resch. Nun, liebs Wagschiflin, lauff behend, Heut würst ein Glückschiff noch genent, Vnd durch dich werd ich auch geprisen, 365 Weil ich solch trew dir hab bewisen.”
[Notes: 1: Rein; the preceding lines have described the start early in the morning, and the pull on the Limmat and the Aar to the Rhine. 2: Fürdernuss = Fördernis, Fortkommen. 3: Luchtmannen; the Vorderrhein rises on the heights of Lukmanier Pass, a few miles east of the summit of St. Gotthard. 4: Rheintzierland; a flattering pun on Rhätierland. 5: Schalt = bringe vorwärts, befördere. 6: Leyt = geleite. 7: Darfür = worüber. 8: Vor hundert jaren; the feat of rowing from Zürich to Strassburg in a single day had been performed by a band of Zürich oarsmen in 1456. 9: Bereit = bereitet, in the sense of erworben. 10: Noch heut des tags = bis heute. 11: Tunder = donnre. 12: Schiffartgmeyner = Schiffahrtgenosse. 13: Wjder = Widder (the Golden Fleece). 14: Gestellt = getrachtet. 15: Seh = sähe. 16: Blatern, ‘blisters.’ 17: Wor = wahr. 18: Resch = rasch, or perhaps frisch.]
+XLVIII. JAKOB AYRER+
A prolific Nürnberg dramatist (died in 1605), wno might be styled a lesser Hans Sachs. He wrote some sixty-nine plays which show, more especially in the prominence of the clown, the influence of the English actors who began to visit Germany toward the end of the 16th century. Among his shrovetide plays are several of a new species, called by him Singtspiele, in which the parts, instead of being spoken, were sung to a preëxisting tune. A selection from one of these musical comedies is given below, the text according to the Bibliothek des literarischen Vereins in Stuttgart, Vol. 80. The meter is an eight-line stanza called the Roland’s Ton.
The ‘English clown’ as stupid servingman.
ROLANDT geht mit Willanda, seinem Weib, in Baurs-Kleidern und singt:
Ach soll ich dir nit sagen Von Janen, vnserm Sohn? Der thut sich so hart klagen Vnd will kurtzumb davon. Er will nicht bey uns bleiben, 5 Sonder verdingen sich; Will lernen lesen und schreiben: Liebs Weib, wie düncket dich?
WILLANDA singt:
Er ist nun bey sein Jaren. Wenn er nicht bleiben will, 10 So lass den lecker faren! Er nützt dir sonst nit vil; Dann er arbeit nit geren, Leyrt geren feurent vmb. Sein kan ich wol emperen, 15 Biss er wider herkumb.
JANN POSSET geht ein, tregt sein Bündel an eim Spiesslein und spricht:
Hört, Vatter! ich will wandern, Mag nicht mehr eur Knecht sein. Darumb dingt euch ein andern! Ich will in die Statt nein, 20 Mir schaffen einen Herren, Der mir gibt einen lohn Vnd mich thut etwas lehren. Eur beeder ich gnug han.
ROLLANDT singt:
Du bist ein fauler Bengel, 25 Drumb bleib bei mir herauss! Ich meint, du habst kein mengel In deines Vatters hauss. Kanst du aber nicht bleiben, Solst du wissen von mir: 30 Ich will dir den Buckl reiben, Du solsts empfinden schir.
JANN singt:
Fürwar, alhie so bleib ich nicht, Ir seit ein grober Baur, Ir habt ein strenges Angesicht 35 Und secht schellig vnd saur. So ist die Mutter vngschaffen, Zeiht gar zerlampet her, Runtzlet gleich wie die Affen Vnd brummt als wie ein Beer. 40
WILLANDA singt:
Ach du leichtfertiger Hudler, Wolst mich so machen auss? Du bist ein fauler sudler, Pack dich balt auss meim hauss! Mit dir mag ich nicht palgen; 45 Wend je nicht bleiben wilt, So droll dich nauss an Galgen! Deinthalb es mir gleich gilt.
(Jann will fortgehen, sein Vater ist zornig.)
ROLAND singt:
Wart, Lecker, thu vor hören! Ich will dirs drencken ein 50 Vnd dich vor lernen ehren Vatter und Mutter dein. Das nimm zu einer zehrung mit! Pack dich zum Teuffel heut! Dann wenn du schon hie bleibest nit, 55 Hab ich dennoch gnug freundt.
(Er schlegt jn ab vnd gehn alle ab.)
Kummt Herr EMERICH vnd sagt:
Ich bin fürwar ein alter Mann Vnd gar vbel zu fuss. Ein Knecht den will ich nemen an, Der auff mich warten muss 60 Im hauss vnd auff der Gassen, Dieweil die Haussfrau mein Mich nicht allein will lassen Also gehn auss vnd ein.
(Jann Posset geht ein.)
Herr EMERICH singt:
Schau! dort kummt hergangen 65 Ein Knecht; den nimm ich an, Will jn gehn balt empfangen.
(Er geht zu ihm vnd sagt:)
Was seit ir für ein Mann? Ein Knecht den solt ich dingen, Der thet warten auff mich. 70 Will du dich lassen zwingen, Darff ich annemen dich.
JANN singt:
So wist! ich kumm geloffen rein Von einem Dorf drey Meil, Von Rolanden, dem Vater mein, 75 Bey dem ich ward ein weil, Von dem ich nichts kund lehren, Vnd kumm her in die Stadt. Halt jr mich nun in ehren, So finden wir beid stat. 80 Auch will ich gern sein euer Knecht, Wenn jr mich dingen wolt, Wils euch auch als verrichten recht; Iedoch jr mir auch solt Als, was ich hab zu schaffen, 85 Schreiben auff einen Brieff; Vnd dörfft mich auch drumb straffen, Wenn ichs nich als wol triff.
Herr EMERICH sagt:
Was soll ich dir lang schreiben? Thu halt, was ich dich heiss! 90 So kanst du bey mir bleiben, Wenn thu es thust mit fleiss. Du must halt auff mich warten Vnd all Handreichung than, Mich führn in mein Garten 95 Vnd was ich dir zeig an.
JANN singt:
Weil ich vor nicht bin gwest alhie Vnd gedient in der Stadt, Den gebrauch auch erfahren nie, Was es für Arbeit hat, 100 So last euch nicht schwer fallen für, Zu machen mir ein Brieff, Das ichs als hab geschribn bey mir Vnd mich nicht vbergrieff. Ich bin gar ein vergessner Mann; 105 Wenn man mir sagt zu vil, Ich es fürwar nicht mercken kan. Iedoch ich als thon will, Was man mir wird auffschreiben. Mein Herr, versuchts mit mir! 110
Herr EMERICH singt:
Nun so thu bey mir bleiben! Ich will dirs schreiben für. So geh halt in die Stuben nein Vnd foder ein Schreibzeug! Denselben trag zu mir herein! 115 So beschreib ich dirs gleich, Wastu hast zu schaffen bey mir. Kummst du demselben nach, So bin ich zu friden mit dir Ietzund vnd mein lebtag. 120
JANN neigt sich vnd geht ab. Kummt bald wieder, bringt ein Feurzeug und singt:
Alhie bring ich den Feurzeug euch, Wie jr den habt begert.
Herr EMERICH singt:
Ey nein, ich mein ein Schreibzeug, Du hast nicht recht gehört. Ein Schreibzeug bring mit Dinten, 125 Dass ich kan schreiben dir! Gehe nein (du wirst ihn finden) Vnd bring denselben mir!
JANN geht wider ab, zeicht den Hut ab, kummt balt wider, bringt ein Krug vnd singt:
Ach, mein Herr, da habt jr den Krug, Die weil jr trincken wölt, 130 Da trincket euch halt eben gnug, So vil, als euch gefelt!
EMERICH singt:
Wie bist du so vnbesunnen? Du hast nicht gsuchet recht, Sonst hest gnug Dinten gfunnen. 135
(Jann will gehen.)
EMERICH singt:
Ey, hör noch eins, mein Knecht! Wenn du die Dinten bringenthust, So bring sie mir herein! Dabey du mir auch bringen must, Ein Federn tragen rein. 140 So will ich dir auffschreiben, Wie ich mit dir hab gredt.
JANN sagt:
Ich will nicht lang aussbleiben, Balt kommen an der stet.
(Er geht ab.)
EMERICH, der alt, singt:
Dass ist ein rechter Knecht für mich 145 Vnd für die Frauen mein. Für gar frumm ich jn zwar ansich, Dort kummt er gleich herein. Er thut die Dinten tragen, Drumb hort mir alle zu, 150 Was der gut gsell wird sagen, Wenn ich jtzt schreiben thu.
JANN geht ein, tregt ein Schreibzeug in der Hand vnd in der andern ein lange Hannenfedern vnd singt:
Secht da, Herr, diesen Schreibzeug, Den schicket euch die Frau. Auch schicket sie die Federn euch. 155
EMERICH singt:
Du grober Dilldap, schau! Was soll doch diese Federn mir? Man kan nit schreiben mit. Der Federn bass geziemet dir.
(Er steckt Jannen die Federn auff.)
JANN sagt:
Ach, mein Herr, zürnet nit! 160
Herr EMERICH sagt:
So geh balt wider neinwartz du Vnd bring ein Federn mir! So richt ich dir dein bstallung zu; Auch hol mir ein Papir! So kan ich darauff schreiben, 165 Was du must richten auss.
JANN geht ab vnd singt:
Ich will nicht lang aussbleiben, Sonder balt kommen rauss.
(Jann geht balt wider ein, bringt ein Schreibfedern vnnd ein Glass mit Bier vnd singt:)
Hort, Herr! jtzt kumm ich wider rein, Bring ein Feder mit mir. 170 Eur Frau hat mir auch erst gschencket ein Dieses frisch Glass mit Bier. Dass solt jr von mir haben, Wenn es euch schmecken thut, Eur Hertz damit zu laben, 175 Vnd haben ein guten muth.
Herr EMERICH sagt:
Du must ein seltzamer Vogl sein, Ich schick dich nach Papir, So bringstu mir zu trincken rein. Geh nein! heiss geben dir 180 Ein Papir, drauff zu schreiben Vnd thu der Sachen recht! Sonst kanst nicht bey mir bleiben, Du Eilenspigelsknecht!
[Notes: 1: Lecker, ‘scamp’, ‘rascal’. 2: Leyrt, ‘loafs around.’ 3: Feurent = feiernd, ‘doing no work.’ 4: Dir ... reiben, ‘tan your jacket.’ 5: Schellig, ‘crazy’, ‘savage.’ 6: Zerlampet, probably a mistake for zerlumpet. 7: Wend = wenn du. 8: Vor = erst. 9: Lassen zwingen, ‘accept the conditions.’ 10: Finden ... stat, ‘find our account,’ ‘get along.’ 11: Dilldap, ‘simpleton.’]
+XLIX. GEORG RODOLF WECKHERLIN+
A Swabian precursor (1584-1653) of the Opitzian era. In the service of the Duke of Würtemberg he lived some years in France and England, where he became familiar with the literary forms and fashions of the Renascence. These he imitated in German, writing odes, songs (for the reader), anacreontics, sonnets, epigrams, elegies in alexandrine verse, and occasional poems of elaborate metrical structure. For the most part his substance is very thin, consisting in extravagant and affected praise, with much infusion of Roman mythology, of the high-born personages by whose favor he prospered or hoped to prosper. The text of the selections follows Goedeke’s edition in Deutsche Dichter des 17. Jahrhunderts.
+1+
+Amor betrogen.+
Cupido einmal sehr verdrossen, Dass er hat so vil pfeil umsunst Auf meine Myrta los geschossen, Die niemals achtet seiner kunst, Erwählet, ihre zarte Schoss 5 Zu wunden, zornig ein geschoss.
Also flog er bald in den garten, Da er dieselb zu sein gedacht, Und nehmend war von fern der zarten, Die ihn in diese Welt gebracht, 10 “Wolan, sprach er, nu soll dein blut Recht büssen, Myrta, deinen mut.”
Er spannet, unweis, seinen bogen Und, zilend auf das herz ohn gnad, Schoss er ihn plötzlich los, betrogen, 15 In seiner mutter brust gerad, Darauf dan ein elender schmerz Vergiftet bald der göttin herz.
“Ach weh! was magst du wol gedenken,” Sprach sie, “undankbar böser knab? 20 Wie kanst so tödlich du bekränken Die, welche dir das leben gab? Und sparest gleich wol deine macht Noch wider die, die dich verlacht.”
Die red so sehr das kind erschrecket, 25 Dass es bald seine wängelein Mit heissen zähern überdecket Und schrie: “Ach, liebes mütterlein, Verzeihet mir, dan ich nam euch Für Myrta, deren ihr gar gleich.” 30
[Notes: 1: Nehmend war = wahrnehmend.]
+2+
+Anakreontisch: Frölich zu leben.+
Wan ich mit guter geselschaft Frisch zechend an dem tisch gesessen, Macht mich der süsse rebensaft Des leids und unmuts bald vergessen! Ich will stets springen an den danz, 5 Gekrönet mit dem ebheukranz.
Mein hirn, erhitzet durch ein glas, Vermeinet mehr reichtum zu haben, Dan Midas und Crösus besass; Ja grosser fürsten gunst und gaben, 10 Dienst ämpter, glück und herrlichkeit Tritt ich zu grund als eitelkeit.
Wolan, bring her ein volle flasch, Die sorg aus meinem Kopf zu jagen, Und dass ich lung und leber wasch; 15 Was hilft es, sich selbs vil zu plagen? Ist es nicht bass, zu bet voll wein, Dan auf der erden tod zu sein?
+3+
+Sonett. Im dem Jahr 1619.+
Verfolgung, müh und leid ist allein das banier, Darunder durch die welt sich gottes kinder schlagen; Und der höchst general hat acht, wie man sie führ, Und wie ein jeder sich begehr für ihn zu wagen. Oftmal erlaubet er, dass ihr feind triumfier, Doch lässet er sein volk gänzlich niemal verzagen; Sondern damit sein feind nicht gar zu vil stolzier, Verkehret mächtig er sein jauchzen bald in klagen. Darum ihr, deren will, des teufels willen gleich, Und deren lust allein ist, gottes volk zu schaden, Wie euer zorn, grim, wut, sein wort, sein volk, das reich, Mit schmach, mit qual, mit schand, verbrant, verbaut, beladen: Also in euerm blut zu steter schand soll euch Noch zwingen mein marggrav Georg Friderich zu Baden.
[Notes: 2: Georg Friedrich, Margrave of Baden, was a partisan of the Calvinistic Friedrich V, Elector Palatine, who was chosen King of Bohemia in 1619, and is known as the “Winter King.” As the sonnet shows, the defeated Protestants set high hopes on the Margrave of Baden, who commanded an army of 20,000 men; but he was soon defeated by the imperial forces and died in exile (1638).]
+L. MARTIN OPITZ+
A Silesian scholar (1597-1639) who won great renown as a poet and a literary lawgiver. In a pioneer treatise on poetics (1624, in which year his Teutsche Poemata also appeared), he came to the defense of the German language, pleaded for a purer diction, and defined the principal genres current abroad, illustrating them with verses of his own. His theory recognized but two feet, the iamb and the trochee, which he defined in terms of accent. He prescribed a more regular alternation of accented and unaccented syllables and recommended the use of the alexandrine verse. Under his influence German poetry became more regular and artistic, but lost touch with the general life, being more and more regarded as a refined diversion of the scholar class. The text of selections 1-4 follows Braune’s Neudrucke, No. 1 and Nos. 189-192; for No. 5 see Tittmann’s edition in Deutsche Dichter des 17. Jahrhunderts.



