An anthology of German literature · Calvin Thomas

Chapter 12

Chapter 46 of 52 · 2 min read

From ‘Faust’: ‘Feeling is everything.’

MARGARETE

Versprich mir, Heinrich!

FAUST

Was ich kann!

MARGARETE

Nun sag’, wie hast du’s mit der Religion? Du bist ein herzlich guter Mann, Allein ich glaub’, du hältst nicht viel davon.

FAUST

Lass das, mein Kind! Du fühlst, ich bin dir gut; 5 Für meine Lieben liess’ ich Leib und Blut, Will niemand sein Gefühl und seine Kirche rauben.

MARGARETE

Das ist nicht recht, man muss dran glauben!

FAUST

Muss man?

MARGARETE

Ach! wenn ich etwas auf dich könnte! Du ehrst auch nicht die heilgen Sacramente. 10

FAUST

Ich ehre sie.

MARGARETE

Doch ohne Verlangen. Zur Messe, zur Beichte bist du lange nicht gegangen Glaubst du an Gott?

FAUST

Mein Liebchen, wer darf sagen: Ich glaub’ an Gott? Magst Priester oder Weise fragen, 15 Und ihre Antwort scheint nur Spott Über den Frager zu sein.

MARGARETE

So glaubst du nicht?

FAUST

Mishör’ mich nicht, du holdes Angesicht! Wer darf ihn nennen? Und wer bekennen: 20 Ich glaub’ ihn? Wer empfinden Und sich unterwinden Zu sagen: ich glaub’ ihn nicht? Der Allumfasser, 25 Der Allerhalter, Fasst und erhält er nicht Dich, mich, sich selbst? Wölbt sich der Himmel nicht da droben? Liegt die Erde nicht hierunten fest? 30 Und steigen freundlich blickend Ewige Sterne nicht herauf? Schau’ ich nicht Aug’ in Auge dir, Und drängt nicht alles Nach Haupt und Herzen dir, 35 Und webt in ewigem Geheimnis Unsichtbar sichtbar neben dir? Erfüll’ davon dein Herz, so gross es ist, Und wenn du ganz in dem Gefühle selig bist, Nenn’s Glück! Herz! Liebe! Gott! 40 Ich habe keinen Namen Dafür! Gefühl ist alles; Name ist Schall und Rauch, Umnebelnd Himmelsglut.

MARGARETE

Das ist alles recht schön und gut; 45 Ungefähr sagt das der Pfarrer auch, Nur mit ein bischen andern Worten.

FAUST

Es sagen’s aller Orten Alle Herzen unter dem himmlischen Tage, Jedes in seiner Sprache; 50 Warum nicht ich in der meinen?

MARGARETE

Wenn man’s so hört, möcht’s leidlich scheinen, Steht aber doch immer schief darum; Denn du hast kein Christentum.

+LXXV. MINOR DRAMATISTS OF THE STORM AND STRESS ERA+

The name ‘Storm and Stress,’ derived from a play of Klinger (see below), has long been in use to denote the insurgent spirit of the youthful Goethe (beginning with Götz von Berlichingen in 1773), and of certain other writers who followed in his wake. Aside from Schiller, whose early plays are the strongest expression of the revolutionary tendencies, the other more important names are Klinger, Wagner, Lenz, Leisewitz, and Maler Müller. Their favorite form was the prose tragedy of middle-class life. They wrote of crime and remorse; of fratricide, seduction, rape and child-murder; of class conflict, and of fierce passion at war with the social order. While their plays were meant to exemplify a fearless ‘naturalism,’ the language is often unnaturally extravagant and the plots wildly improbable. For the texts see Kürschner’s Nationalliteratur, Vols. 79-81.