An anthology of German literature · Calvin Thomas

Chapter 3

Chapter 16 of 52 · 6 min read

From the Epistle on Translating (1530).

Ich hab mich des gefliessen im dolmetschen, das ich rein vnd klar deudsch geben möchte. Vnd ist vns wol offt begegenet, das wir 14 tage, drey, vier wochen haben ein einiges Wort gesucht vnd gefragt, habens dennoch zuweilen nicht funden. In Hiob erbeiten wir also, M. Philips, Aurogallus vnd ich, das wir in vier tagen zuweilen kaum drey zeilen kundten fertigen. Lieber, nu es verdeudscht vnd bereit ist, kans ein jeder lesen vnd meistern. Leuft einer jtzt mit den augen durch drey oder vier Bletter, vnd stösst nicht einmal an, wird aber nicht gewar, welche Wacken vnd Klötze da gelegen sind, da er jtzt vber hin gehet wie vber ein gehoffelt Bret, da wir haben must schwitzen vnd vns engsten, ehe denn wir solche Wacken und Klötze aus dem wege reumeten, auff das man kündte so fein daher gehen. Es ist gut pflügen, wenn der Acker gereinigt ist. Aber den Wald vnd die Stöcke ausrotten, vnd den Acker zurichten, da wil niemand an. Es ist bey der Welt kein danck zu uerdienen. Kann doch Gott selbs mit der Sonnen, ja mit Himel vnd Erden, noch mit seines eigen Sons tod, keinen danck verdienen, Sie sey vnd bleibe Welt ins Teufels namen, weil sie ja nicht anders wil.

Also hab ich hie Röm. 3 fast wol gewusst, das im Lateinischen vnd Griechischen Text das wort sola oder solum nicht stehet, vnd hetten mich solchs die Papisten nicht dürffen leren. War ists, Diese vier buchstaben sola stehen nicht drinnen, welche buchstaben die Eselsköpff ansehen, wie die Küe ein new thor. Sehen aber nicht, das gleichwol die Meinung des Texts in sich hat, vnd wo mans wil klar vnd gewaltiglich verdeudschen, so gehöret es hinein. Denn ich habe Deudsch, nicht Lateinisch noch Griechisch reden wöllen, da ich Deudsch zu reden im Dolmetschen furgenommen hatte. Das ist aber die art vnser Deudschen sprache, wenn sich ein Rede begibt von zweien dingen, der man eins bekennet vnd das ander verneinet, so braucht man des worts allein neben dem wort nicht oder kein, Als wenn man sagt, Der Bawr bringt allein Korn, vnd kein Gelt; Item, ich hab warlich jtzt nicht gelt, sondern allein Korn, Ich hab allein gessen vnd noch nicht getruncken, Hastu allein geschrieben vnd nicht uberlesen? Vnd dergleichen unzelige Weise in teglichem brauch. In diesen reden allen, obs gleich die Lateinische oder Griechische Sprache nicht thut, so thuts doch die Deudsche, vnd ist jr art, das sie das wort allein hinzusetzt, auf das das wort nicht oder kein deste völliger vnd deutlicher sey. Denn man mus nicht die buchstaben in der Lateinischen sprachen fragen, wie man sol Deudsch reden, Sondern man mus die Mutter im hause, die Kinder auff der gassen, den gemeinen Man auff dem marckt drumb fragen, vnd denselbigen auff das Maul sehen, wie sie reden, vnd darnach dolmetschen. So verstehen sie es denn vnd mercken, das man Deudsch mit jnen redet.

[Notes: 17: In his New Testament, Luther had rendered Romans iii, 28—in the Vulgate arbitramur hominem iustificari ex fide absque operibus legis—as follows: Wir halten, das der mensch gerecht werde on des gesetzes werke, allein durch den glauben. As there is nothing in the Latin or Greek corresponding to allein, the Papists charged him with falsifying scripture. 18: Gefliessen = befleissigt. 19: Einiges = einziges. 20: Gesucht vnd gefragt, ‘sought for and queried over.’ 21: Erbeiten = arbeiteten. 22: M. Philips = Magister Philippus (Melanchthon). 23: Aurogallus, i.e. Goldhahn, name of a Wittenberg Hebraist. 24: Meistern, ‘criticise.’ 25: Wacken vnd Klötze, ‘stones and stumps.’ 26: Gehoffelt = gehobelt. 27: Haben must schwitzen = haben schwitzen müssen. 28: Fast = sehr. 29: Dürffen, in the old sense of ‘need.’ 30: Das = das’s, i.e. dass es; the es, referring to sola, being the object of hat, which means ‘contains,’ or ‘implies.’ 31: Sich begibt = es gibt; ‘when there is talk.’ 32: Als = wie, zum Beispiel. 33: Allein = modern bloss; so in the other examples. 34: Item, ‘like-wise,’ ‘again.’ 35: Gessen = gegessen. 36: Uberlesen = durchgelesen. 37: Unzelige Weise = unzähliger Weise, ‘countlessly,’ ‘ad infinitum.’ 38: Deste völliger = desto kräftiger.]

+4+

+Ein feste Burg.+

Ein feste burg ist unser Gott, Ein gute wehr und waffen, Er hilfft uns frey aus aller not, Die uns itzt hat betroffen. Der alt böse feind 5 Mit ernst ers itzt meint, Gros macht und viel list Sein grausam rüstung ist, Auff erd ist nicht seins gleichen.

Mit unser macht ist nichts gethan, 10 Wir sind gar bald verloren, Es streit für uns der rechte man, Den Gott hat selbs erkoren. Fragstu wer der ist? Er heisst Jhesus Christ, 15 Der Herr Zebaoth, Und ist kein ander Gott, Das felt mus er behalten.

Und wenn die welt vol Teuffel wer Und wolt uns gar verschlingen, 20 So fürchten wir uns nicht so sehr, Es sol uns doch gelingen. Der Fürst dieser welt, Wie saur er sich stelt, Thut er uns doch nicht; 25 Das macht, er ist gericht, Ein wörtlin kan jn fellen.

Das wort sie söllen lassen stan Und kein danck dazu haben; Er ist bey uns wol auff dem plan 30 Mit seinem Geist und gaben. Nemen sie den leib, Gut, ehr, kind und weib, Las faren dahin; Sie habens kein gewin, 35 Das Reich mus uns doch bleiben.

[Notes: 39: This famous hymn, based on Psalm xlvi and often called the battle-hymn of the Reformation, dates from 1529. 40: Waffen (das) = modern Waffe (die). 41: Frey, probably factitive rather than adverbial; ‘he helps us free,’ i.e. ‘sets us free.’ 42: Ernst, probably in the old sense of Kampf; ‘he means fight.’ 43: Zebaoth, ‘of hosts’; a Hebrew plural. 44: Saur, ‘fierce,’ ‘menacing.’ 45: Nicht = nichts. 46: Gericht = gerichtet, ‘judged.’ Satan’s impotence is caused (‘made’) by the fact that he is under doom. See Revelation xx, 3. 47: Plan, ‘field’ of battle. 48: Habens, i.e. haben es, the es being a genitive = ‘of it,’ ‘from it.’]

+5+

+Frau Musica.+

Für allen freuden auf erden Kan niemand keine feiner werden, Denn die ich geh mit meim singen Und mit manchem süssen klingen. Hie kan nicht sein ein böser mut, 5 Wo da singen gesellen gut, Hie bleibt kein zorn, zank, hass noch neid, Weichen muss alles herzeleid, Geiz, sorg und was sonst hart anleit, Fert hin mit aller traurigkeit. 10 Auch ist ein jeder des wol frei, Das solche freud kein sünde sei, Sondern auch Gott viel bass gefelt, Denn alle freud der ganzen welt. Dem teufel sie sein werk zerstört 15 Und verhindert viel böser mörd. Das zeugt David des königs that, Der dem Saul oft geweret hat Mit gutem süssem harfenspiel, Das er nicht in grossen mord fiel. 20 Zum göttlichen wort und warheit Macht sie das herz still und bereit; Solchs hat Eliseus bekant, Da er den geist durchs harfen fand. Die beste zeit im jar ist mein, 25 Da singen alle vögelein; Himel und erden ist der vol, Viel gut gesang da lautet wol. Voran die liebe nachtigal Macht alles frölich überal 30 Mit irem lieblichen gesang; Des muss sie haben immer dank. Vielmehr der liebe Herre Gott, Der sie also geschaffen hat, Zu sein die rechte sengerin, 35 Der Musicen ein meisterin; Dem singt und springt sie tag und nacht, Seines lobs sie nichts müde macht. Den ehrt und lobt auch mein gesang Und sagt im ein ewigen dank. 40

[Notes: 49: The poem dates from 1538. In lines 1-14, and again in lines 25-40, Frau Musica speaks in her own person; but in lines 15-24 Luther speaks of her, proving the goodness of her art by scriptural instances. 50: Für = vor; translate by ‘of’ or ‘among.’ 51: Niemand is dative; ‘no joy can be more exquisite for any one.’ 52: Anleit = anliegt; ‘whatever lies hard upon us.’ 53: Des wol frei, ‘quite at ease about this.’ 54: That; see I Sam. xvi, 23. 55: Bekant = erkannt; see II Kings iii, 15.]

+XLI. ULRICH VON HUTTEN+

1488-1523. An eminent humanist and poet laureate of knightly stock, Hutten had attacked the papacy in various Latin writings before resorting to the vernacular in support of Luther, of whose cause he became, in 1520, an ardent champion. The defeat of his friend Sickingen compelled him to flee to Switzerland, where he died on the island of Ufnau, in the Lake of Zürich.

The selections follow Kürschner’s Nationalliteratur, Vol. 17{2}, pages 249 ff., and pages 269 ff.