An anthology of German literature · Calvin Thomas
Chapter 1
Chapter 17 of 52 · 8 min read
From the Poem ‘Complaint and Admonition.’
Hilf, werder Künig, es ist not! Lass fliegen auss des adlers fan! So wöllen wir es heben an. Der weingart gottes ist nit rein, Vil ungewächss ist kommen drein. 5 Der weytz des herren wicken tregt; Wer do zů nit sein arbeit legt Und hilfft das unkraut tilgen auss, Der würt mit gott nit halten hauss. Wir reuten auss unfruchtbarkeit 10 Und thůnd, als gott hatt selbs geseit, Zu dem, der solichs rauben pflegt, Do ers propheten mund bewegt. Du hast beraubt all nation, Drumb dir auch werden widerston 15 All völcker, überfallen dich, Berauben wider gwaltiglich. Fürwar, das würt ein gůtte that! Ich gib all frommen Teutschen rat, Seit sich nit bessert disser stadt. 20 Doch halt die frommen ich beuor, Der greiff man keinem an ein hor. Und die seind gůtter gschrifft gelert, Ich bitt, das keiner werd versert. Und wer ein geistlich leben fürt, 25 In disser sach bleib unberürt.— All ding der Bapst hatt übermacht! Wer das dann hat zům bestengdacht, Den hatt er mit dem bann erschreckt. Ich hoff, es seyen schon erweckt 30 Vil teutscher hertzen, werden sich Der sachen nemen an, als ich. Ich hab ye gůt vormanung gthan, Ich hoff, sye lassen mich nit stan! Den stolzen Adel ich beruff, 35 Ir frommen Stett, euch werffet uff! Wir wöllents halten in gemein; Lasst doch nit streiten mich allein! Erbarmt euch übers vatterlandt, Ir werden Teutschen, regt die handt; 40 Yetzt ist die zeit, zůheben an Umb freyheit kryegen, gott wils han! Här zů! wer mannes hertzen hatt! Gebt vorter nit den lügen statt, Domit sye han vorkert die welt! 45 Vor hatt es an vormanung gfelt, Und einem, der euch sagt den grund, Kein ley euch damals weissen kund, Und waren nůr die pfaffen glert. Yetzt hatt uns gott auch kunst beschert, 50 Das wir die bücher auch verstan. Wollauff, ist zeyt, wir müssen dran!
[Notes: 1: The title of the poem, which comprises 1578 lines and was written in 1520, runs: Clag und Vormanung [i.e. Ermahnung] gegen dem übermässigen, unchristlichen gewalt des Bapsts zu Rom und der ungeistlichen geistlichen. 2: Künig; Karl V (1500-1558). 3: Adlers fan, the imperial eagle. 4: Wicken, ‘weeds.’ 5: do zů = dazu, daran. In early prints, an uo, which later became ue, then u, often appears as ů. 6: Propheten mund; see Jer. xii, 10 ff. 7: Stadt = status, Zustand. 8: Halt beuor = nehme aus, ‘except.’ 9: Hor = Haar. 10: All ding, ‘in all things’; gen. with übermacht. 11: Als = wie. 12: Ye = je, ‘always.’ 13: Här zů = herzu. 14: Vorter = fürder. 15: Ley = Laie, ‘layman.’ 16: Weissen = weisen, ‘point the way,’ ‘instruct,’ ‘warn.’ 17: Kunst, ‘knowledge.’]
+2+
+Ich habs gewagt.+
Ich habs gewagt mit sinnen Und trag des noch kain rew, Mag ich nit dran gewinnen, Noch můss man spüren trew; Dar mit ich main 5 Nit aim allain, Wen man es wolt erkennen, Dem land zů gůt, Wie wol man tůt Ain pfaffenfeint mich nennen. 10 Da lass ich ieden liegen Und reden, was er wil; Het warheit ich geschwigen, Mir wären hulder vil. Nun hab ichs gsagt, 15 Bin drumb verjagt, Das klag ich allen frummen, Wie wol noch ich Nit weiter fleich, Villeicht werd wider kummen. 20 Umb gnad wil ich nit bitten, Die weil ich bin on schult; Ich het das recht gelitten, So hindert ungedult, Dass man mich nit 25 Nach altem sit Zů ghör hat kummen lassen; Villeicht wils got, Und zwingt sie not, Zu handlen diser massen. 30 Nun ist oft diser gleichen Geschehen auch hie vor, Dass ainer von den reichen Ain gůtes spil verlor, Oft grosser flam 35 Von fünklin kam; Wer waiss, ob ichs werd rechen! Stat schon im lauf, So setz ich drauf: Můss gan oder brechen. 40 Dar neben mich zů trösten Mit gůtem gwissen hab, Dass kainer von den bösten Mir er mag brechen ab, Noch sagen, dass 45 Uff ainig mass Ich anders sei gegangen, Dan eren nach, Hab dise sach In gůtem angefangen. 50 Wil nun ir selbs nit raten Dis frumme nation, Irs schadens sich ergatten, Als ich vermanet han, So ist mir laid! 55 Hie mit ich schaid, Wil mengen bass die karten. Bin unverzagt, Ich habs gewagt Und wil des ends erwarten. 60 Ob dan mir nach tůt denken Der curtisanen list, Ain herz last sich nit krenken, Das rechter mainung ist! Ich waiss noch vil, 65 Wöln auch ins spil, Und soltens drüber sterben: Auf, landsknecht gůt Und reuters můt, Last Hutten nit verderben! 70
[Notes: 18: The song was printed separately in 1521 as Ain new lied herr Vlrichs von Hutten. The phrase ich habs gewagt, translating the Latin jacta est alea, became a sort of motto with Hutten after he had taken, in the fall of 1520, the momentous step of defending Luther and advocating a German war of liberation. 19: Mit sinnen, ‘deliberately.’ 20: Noch = dennoch. 21: Spüren trew, ‘perceive stedfastness,’ ‘see that I am faithful’ to the decision taken. 22: Main = meine; ‘I intend the weal not of one only (myself), but of the whole fatherland.’ 23: Pfaffenfeind, as a term of reproach among the humanists, had a suggestion of flying at ignoble game. 24: Liegen = lügen. 25: Mir ... vil, ‘many would have liked me better.’ 26: Verjagt; Hutten’s revolutionary writings led to a papal order that he be brought to Rome in chains. Banished on that account by his former friend, the Archbishop of Mainz, he took refuge in the castle of Franz von Sickingen at Ebernburg. 27: Fleich = fliehe. 28: Recht gelitten, ‘submitted to trial.’ 29: So = aber. 30: Diser gleichen = dergleichen. 31: Setz ich drauf, ‘take my risk on it.’ 32: Er = Ehre. 33: Uff ainig mass = irgendwie. 34: Ir selbs = sich selbst. 35: Raten = Rat schaffen, ‘find means.’ 36: Ergatten = erholen. 37: Curtisanen = Höflinge. 38: Soltens = sollten sie.]
+XLII. THOMAS MURNER+
1475-ca. 1536. An Alsatian friar of the Franciscan order, Murner traveled much and won great prestige as a scholar. His earliest German writings, the Guild of Fools and the Exorcism of Fools, are metrical satires in the vein of Sebastian Brant. Though himself a sharp critic of clerical abuses, he could not brook the thought of a rupture with the Roman church. In the Great Lutheran Fool he assailed Luther scurrilously. His verse is mostly prosaic and often coarse, but there is a certain elegiac warmth in his song of thirty-five stanzas on the Downfall of the Christian Faith, which was published in the early days of the Lutheran revolt. A part of it is given below, the text according to Kürschner’s Nationalliteratur, Vol. 17{1}, page 62.
+Ain new Lied von dem undergang des Christlichen glaubens.+
Nun hört, ich wil euch singen, In brůder Veiten ton, Von ungehörten Dingen, Die laider iez fürgon: Wie dass mit falschen listen 5 Die christenhait zergat; Wan das die fürsten wisten, Sie täten zů der tat. Der hirt, der ist geschlagen, Die schäflin sein zerstreut, 10 Der bapst, der ist verjagen, Kein kron er me aufdrait, Und ist mit kainen worten Von Christo ie erstift; An hundert tausent orten 15 Ist gossen auss das gift. Der kaiser ist kain advocat, Gar hin ist sein gewalt, Den er ja zu der kirchen hat, Der schirm zu boden falt; 20 Sein gebot sein ganz verachtet, We armer christenhait, Wa undertäni brachtet, Und herschaft niderleit! Die patriarchen alle 25 Und cardinäl gemain, Die bischof sein im falle, Der pfarrer bleibt allain; Ja den die gmain erwelet Nach irem unverstand 30 Und für ain hirten zelet; Ach, we der grossen schand! Die minsten sein iez all gelert, Der vor nie beten kunt, Kain ler auf erden ie gehört, 35 Dorft nie aufton sein mund: Die widerfechten alle Die zierd der christenhait, Gent steur zů niderfalle Ir lob und herlichait. 40 Die mess, die sol nim gelten Im leben noch im dot, Die sacrament sie schelten, Die seien uns nit not; Fünf hon sie gar vernichtet, 45 Die andern lon sie ston Der massen zů gerichtet, Dass sie auch bald zergon. Wir sein all pfaffen worden, Baid, weiber und die man, 50 Wie wol wir hant kain orden, Kain weihe gnomen an. Die stiel ston auf den benken, Der wagen vor dem ross, Der glaub wil gar versenken, 55 Der grund ist bodenlos. Die pfaffen sein zerschlagen, Die münch sein auch zertrent, Mit luter stimmen klagen, Man hab sie lang geschent: 60 Uns alles für erlogen, Was sie hont ie gesait, Auss ihren fingern gsogen, Verfiert die christenhait. Wer iez zů mal kan liegen, 65 Veracht all oberkait, Das evangeli biegen Auf mort und herzenlaid: Dem lauft man zů mit schalle, Hanthabt in mit gewalt, 70 Biss unser glaub verfalle Und gar in eschen falt. Der apfel ist geworfen Der zwitracht, das ist war, In steten und in dorfen; 75 Und geben nit ain har, Ja nit ain meit auf erden Umb alle oberkait; Mit listen und gefärden Erdenkt man herzenlaid. 80 Das evangeli frone, Das was ein frölich mär, Von got eroffnet schone Zů frid von himel her: Das hont sie iez vergiftet 85 In mort und bitterkait; Es was zů freud erstiftet, Iez bringt es herzenlaid. Ich kan michs nit beklagen Ja über gotes wort, 90 Allain dass sies vertragen Und rinklen auf ain mort Das wort des ewigen leben Zů aufrůr und dem dot, Von Christo uns gegeben, 95 Das er auss lieb erbot.
[Notes: 1: The Bruder Veits Ton, verse-form and tune, was a popular favorite. See Erk und Böhme’s Liederhort, II, 59. 2: Iez = jetzt. 3: Fürgon = vorgehen. 4: Täten ... tat = würden zur Tat schreiten, ‘would do something.’ 5: Sein = sind. 6: Verjagen = beseitigt, ‘done away with.’ 7: Me = mehr. 8: Aufdrait = aufträgt, ‘wears.’ 9: Erstift, ‘established’; see Mat. xvi, 18. 10: Undertäni, an abstract from Untertan, in the collective sense of Untertanenschaft. 11: Brachtet, from brachten = schreien, toben. The sense is: ‘Where subjects revolt and rulers are powerless.’ 12: Gemain = sämtlich. 13: Gmain = Gemeinde. 14: Der, in the sing., as if der minste had preceded. 15: Zierd, the church. 16: Gent steur = geben Steuer, ‘help on,’ ‘aid.’ 17: Nim = nimmer (nie mehr). 18: Fünf, namely, confirmation, penance, extreme unction, order, and matrimony. 19: Andern, namely, baptism and the eucharist. 20: Geschent = geschändet, ‘treated disgracefully.’ 21: Für erlogen = vorgelogen. 22: Biegen, with kan above; ‘whoso can bend the gospel to murder,’ etc. 23: Hanthabt, ‘invests’ (puts into his hands). 24: Meit, ‘mite.’ 25: Frone = heilig. 26: Rinklen, ‘twist,’ ‘pervert,’—like the preceding vertragen.]
+XLIII. THE REFORMATION DRAMA+
The spirit of Luther—opposition to the papacy and reliance on scripture—soon found expression in the acted drama. To illustrate this phase of the new literary movement three plays have been drawn on: first, a Swiss play, performed on the streets of Bern in 1522; second, a Low German play, performed at Riga in 1527; third, a midland play, performed at Kahla in 1535. The text of No. 1 follows Bächtold’s Bibliothek älterer Schriftwerke der deutschen Schweiz, II, 103; for No. 2 see Braune’s Neudrucke, No. 30; for No. 3, Tittmann’s Schauspiele aus dem 16. Jahrhundert, pages 21 ff.



