An anthology of German literature · Calvin Thomas

Chapter 2

Chapter 3 of 52 · 2 min read

From the ‘Lay of Ecke’: Ecke’s death and Dietrich’s remorse.

Die Schwerter warfen sie von sich Und rangen nun gewältiglich Auf freier Stätt’ im Walde. Einander taten sie so weh, Dass Blut begoss den grünen Klee 5 Hinab die Bergeshalde. Gen einen Baum der Berner zwang Den riesenhaften Ecke; Das Blut ihm aus den Wunden drang, Betäubet ward der Recke. 10 Der Berner drückte ihn aufs Gras Mit solcher fürchterlichen Kraft, dass er kaum noch genas.

Der mächt’ge Ecke war gefällt, Und auf ihm lag der edle Held, Herr Dieterich von Berne: 15 “Dein Leben steht in meiner Hand, Gib mir sofort dein Schwert zum Pfand, Du, der du kämpfst so gerne. Tust du es nicht, musst du den Tod Von meiner Hand erdulden. 20 Drum hilf dir selber aus der Not Und komme mir zu Hulden. Du wirst geführt an meiner Hand Gefangen vor die Frauen drei; so werd ich dort bekannt.”

Der Riese sprach, ein Recke wert: 25 “Dir geb’ ich nicht mein gutes Schwert, Du lobenswerter Degen. Drei Königinnen wohlgestalt Schickten mich her in diesen Wald, Wo ich dir jetzt erlegen. 30 Doch eher als gefangen gehn Mit dir nun nach Jochgrimme Vor jene Königinnen schön,” Rief er mit lauter Stimme, “Und deren Spott in Angst und Not 35 Aushalten zu Jochgrimme dort, erkür’ ich hier den Tod.”

Der lobenswerte Held von Bern Vernahm des Feigen Wort nicht gern, Er sprach: “Es reut mich, Ecke. Kann es also nicht anders sein, 40 Verlierst du bald das Leben dein, Du ausgewählter Recke. Also erweiche deinen Sinn Im Namen aller Frauen; Sonst hast du grossen Ungewinn, 45 Wie du sogleich wirst schauen. Mit wildem Hass blickst du mich an, Und stündst du einmal auf, müsst’ ich den Tod empfahn.”

Er riss den Helm ihm zornig ab, Doch war der Schwertstich, den er gab, 50 Ein nutzloses Beginnen, Denn zähes Gold schirmt’ ihm den Kopf. Er schlug ihn grimmig mit dem Knopf, Das Blut begann zu rinnen Ihm allenthalben durch das Gold, 55 Es schwanden ihm die Sinne; Der rechte Lohn war ihm gezollt. Er öffnet’ ihm die Brünne, Die herrliche von Golde rot, Und stach ihn mit dem Schwerte durch; dazu zwang ihn die Not. 60

Als er den Sieg ihm abgewann, Da stand er ob dem kühnen Mann Und sprach die Trauerworte: “Mein Sieg und auch dein junger Tod, Sie machen mich nun reuerot; 65 Ich muss an jedem Orte Erscheinen als der Ehre bar, Das klag’ ich dir dem Feigen. Wohin ich auch im Lande fahr’, Wird jeder auf mich zeigen 70 Mit starker Abscheu im Gesicht Und sagen: Seht den Berner da, der Könige ersticht.

Da diese Tat einmal getan, Bleib’ ich nun ohne Lob fortan Und ohne Fürstenehre. 75 Wohlan denn, Tod, nimm du mich hin, Da ich der Ungetreue bin; Wer gab mir diese Lehre? Dass ich dich, junger Held, erstach, Es muss mich ewig dauern. 80 Zu Gott klag’ ich mein Ungemach Mit wehmutsvollem Trauern. Ich kann’s verhehlen vor der Welt, Doch denk’ ich selbst daran, ist all mein Glück vergällt.”

[Notes: 3: Ecke is a redoutable young giant whose conceit leads him to seek an encounter with Dietrich of Bern. Three queens promise him the choice among them if he brings the famous man to them, so that they can see him. At first Dietrich refuses to fight, but Ecke finally goads him to it with insults. After a fierce battle Ecke is killed. 4: In the archaic sense of ‘mortally wounded,’ ‘doomed to death.’]