An anthology of German literature · Calvin Thomas
Chapter 3
Chapter 50 of 52 · 3 min read
From the ‘Robbers,’ Act 3, Scene 2.
Gegend an der Donau.
DIE RÄUBER, gelagert auf einer Anhöhe unter Bäumen, die Pferde weiden am Hügel hinunter.
MOOR. Hier muss ich liegen bleiben (wirft sich auf die Erde). Meine Glieder wie abgeschlagen. Meine Zunge trocken, wie eine Scherbe. (Schweizer verliert sich unbemerkt.) Ich wollt’ euch bitten, mir eine Handvoll Wrassers aus diesem Strome zu holen; aber ihr seid alle matt bis in den Tod.
SCHWARZ. Auch ist der Wein all in unsern Schläuchen.
MOOR. Seht doch, wie schön das Getreide steht! —Die Bäume brechen fast unter ihrem Segen—der Weinstock voll Hoffnung.
GRIMM. Es gibt ein fruchtbares Jahr.
MOOR. Meinst du? —Und so würde doch Ein Schweiss in der Welt bezahlt. Einer? —Aber es kann ja über Nacht ein Hagel fallen und alles zu Grund schlagen.
SCHWARZ. Das ist leicht möglich. Es kann alles zu Grund gehen, wenig Stunden vorm Schneiden.
MOOR. Das sag’ ich ja. Es wird alles zu Grund gehen. Warum soll dem Menschen das gelingen, was er von der Ameise hat, wenn ihm das fehlschlägt, was ihn den Göttern gleich macht? —Oder ist hier die Mark seiner Bestimmung?
SCHWARZ. Ich kenne sie nicht.
MOOR. Du hast gut gesagt und noch besser getan, wenn du sie nie zu kennen verlangtest! —Bruder—ich habe die Menschen gesehen, ihre Bienensorgen und ihre Riesenprojekte—ihre Götterpläne und ihre Mäusegeschäfte, das wundersame Wettrennen nach Glückseligkeit;—dieser dem Schwung seines Rosses anvertraut—ein anderer der Nase eines Esels—ein dritter seinen eignen Beinen; dieses bunte Lotto des Lebens, worein so mancher seine Unschuld und—seinen Himmel setzt, einen Treffer zu haschen, und—Nullen sind der Auszug—am Ende war kein Treffer darin. Es ist ein Schauspiel, Bruder, das Tränen in die Augen lockt, wenn es dein Zwerchfell zu Gelächter kitzelt.
SCHWARZ. Wie herrlich die Sonne dort untergeht!
MOOR (in den Blick verschwemmt). So stirbt ein Held! —Anbetungswürdig!
GRIMM. Du scheinst tief gerührt.
MOOR. Da ich noch ein Bube war—war’s mein Lieblingsgedanke, wie sie zu leben, zu sterben wie sie— (Mit verbissenem Schmerz) Es war ein Bubengedanke!
GRIMM. Das will ich hoffen.
MOOR (drückt den Hut übers Gesicht). Es war eine Zeit—Lasst mich allein, Kameraden!
SCHWARZ. Moor! Moor! Was zum Henker! Wie er seine Farbe verändert!
GRIMM. Alle Teufel! Was hat er? Wird ihm übel?
MOOR. Es war eine Zeit, wo ich nicht schlafen konnte, wenn ich mein Nachtgebet vergessen hatte—
GRIMM. Bist du wahnsinnig? Willst du dich von deinen Bubenjahren hofmeistern lassen?
MOOR (legt sein Haupt auf Grimms Brust.) Bruder! Bruder!
GRIMM. Wie? Sei doch kein Kind! Ich bitte dich—
MOOR. Wär’ ich’s,—wär’ ich’s wieder!
GRIMM. Pfui! Pfui!
SCHWARZ. Heitre dich auf! Sieh diese malerische Landschaft—den lieblichen Abend.
MOOR. Ja, Freunde, diese Welt ist so schön.
SCHWARZ. Nun, das war wohl gesprochen.
MOOR. Diese Erde so herrlich.
GRIMM. Recht—recht—so hör’ ich’s gerne.
MOOR (zurückgesunken). Und ich so hässlich auf dieser schönen Welt—und ich ein Ungeheuer auf dieser herrlichen Erde.
GRIMM. O weh! o weh!
MOOR. Meine Unschuld! Meine Unschuld! —Seht, es ist alles hinausgegangen, sich im friedlichen Strahl des Frühlings zu sonnen—warum ich allein die Hölle saugen aus den Freuden des Himmels? —Dass alles so glücklich ist, durch den Geist des Friedens alles so verschwistert! —Die ganze Welt Eine Familie, und Ein Vater dort oben—Mein Vater nicht—Ich allein der Verstossene, ich allein ausgemustert aus den Reihen der Reinen—mir nicht der süsse Name Kind—nimmer mir der Geliebten schmachtender Blick—nimmer, nimmer des Busenfreunds Umarmung! (Wild zurückfahrend) Umlagert von Mördern—von Nattern umzischt—angeschmiedet an das Laster mit eisernen Banden—hinausschwindelnd ins Grab des Verderbens auf des Lasters schwankendem Rohr—mitten in den Blumen der glücklichen Welt ein heulender Abbadona!
SCHWARZ (zu den übrigen). Unbegreiflich! Ich habe ihn nie so gesehen.
GRIMM (zu den andern). Nur Geduld! Der Paroxysmus ist schon im Fallen.
MOOR. Es war eine Zeit, wo sie mir so gern flössen—o ihr Tage des Friedens! Du Schloss meines Vaters—ihr grünen schwärmerischen Täler! O all ihr Elysiumszenen meiner Kindheit! —Werdet ihr nimmer zurückkehren—nimmer mit köstlichem Säuseln meinen brennenden Busen kühlen? —Dahin! dahin! unwiederbringlich!
[Notes: 1: Count Karl Moor, having been cast off by his father, through the machinations of his villainous younger brother Franz, has declared war on society and become captain of a band of robbers. But he is no selfish criminal, and his better nature often asserts itself, as in this scene.]



